UIllrich Angersbach

Das Heilige Land, so wie ich es erlebt habe

Ullrich Angersbach - Experte für Finanzen und Marketing-Coach über seine Reise durchs Heilige Land
 
Denke ich an das Heiligen Land, denke ich an palästinensische Selbstmordattentäter, den 6-Tagekrieg, den Holocaust, die Diaspora der Juden und die christlichen Kreuzzüge. Dort hat Jesus Christus gewirkt und in Jerusalem wurde er gekreuzigt. In Jerusalem hat die „Nachreise“ des Propheten Mohamed stattgefunden und zwar genau dort, wo einst der erste und zweite Tempel der Juden stand.  So  ist Jerusalem eine heilige Stadt für alle vier monotheistischen Religionen, dem Judentum, dem Christentum, dem Islam und auch dem Bahaismus.
 
Das Heilige Land ist ein junger Staat, der erst am 14. Mai 1948 ausgerufen wurde und zwar auf dem Land, wo zuvor Palästinenser siedelten. Wäre Israel eine TV-Serie, könnte das Spannungspotential kaum höher sein. Leider aber ist es bittere Realität und die in den Konflikt verstrickten Parteien finden kein Ende des Dramas.

 

Das Heilige Land als Start-Up-Nation

Dieser Slogan ist auch der Buchtitel des New-York-Times-Bestsellers von Sauk Singer.
 
Als der eiserne Vorhang fiel, strömten gut ausgebildete osteuropäische Juden ins Heilige Land und schufen eine weltweit anerkannte High-Tech-Industrie. Das erinnert mich an meine Zeit bei der Vermögensverwaltung von Graf Matuschka, der Arbeitsplätze in jungen Unternehmen förderte und so zu einem Innovationsschub in der Wirtschaft beitrug.

 

Reiseroute durch das Heilige Land

Unsere Reise fand glücklicherweise im Mai 2014 statt. Israel lebte gerade mit den Palästinensern im „Frieden“. Allerdings gab es zwei Orte, wo die Spannungen spürbar waren, auf dem Tempelberg und bei der Reise nach Bethlehem: 

Der Tempelberg

Den Tempelberg durften „Ungläubige“, also alle außer Moslems, nur zu genau festgelegten Zeiten besuchen. Eine Besichtigung der Gebäude war nur von außen erlaubt. Auch durften keine Heiligen Schriften anderer Religionen mit auf den Tempelberg genommen werden und man durfte als Ungläubiger dort auch nicht beten. Am Eingang wurde scharf kontrolliert. Das konnte dauern. Zuvor musste man sich bei praller Sonne in langen Schlangen rechtzeitig anstellen. Wer zu weit hinten in der Schlange stand, konnte evtl. vergeblich gewartet haben. Denn das Tor war nur ca. 60 Minuten geöffnet. Je später man also reingelassen wurde, desto weniger Zeit konnte man auf dem Tempelberg verbringen. Soweit ich weiß, wurde das Tor aber nur zwei oder dreimal pro Woche für Ungläubige geöffnet.

Die Stadt Bethlehem

Zwar gab es schon eine Mauer zu den palästinensischen Gebieten. Aber Bethlehem, das in einem von den Palästinensern verwalteten Gebiet liegt, konnte ohne Probleme besichtigt werden. Allerdings musste man von einem palästinensischen Busfahrer in einem in Palästina zugelassenen Bus dorthin gebracht werden. Einem israelischen Busfahrer mit seinem israelischen Bus war die Einreise nicht möglich.

Die Stadt Jerusalem


Urheberrecht: Ullrich Angersbach

 
Unsere Reise begann im geschichtsträchtigen King David Hotel. Dort befand sich das britische Hauptquartier. Die Briten hatten 1939 beschlossen, die Zuwanderung von Juden, die auf der Flucht vor dem Holocaust waren, während des zweiten Weltkriegs zu begrenzen. Dafür erhielten sie 1946 die Rechnung: extremistische Juden bombardierten das Hotel, wobei es 80 Tote und mehrere hundert Verletzte gab.
 
Vom Hotel aus ist man in wenigen Minuten in der Altstadt. Diese teilt sich in das jüdische Viertel, das muslimische Viertel und das christliche/armenische Viertel auf.

 
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Die Höhepunkte des jüdischen Viertels waren der Besuch der Klagemauer und die Teilnahme an einen jüdischen Gottesdienst in einer Synagoge. In beiden Fällen sind die Bereiche für  Männer und Frau getrennt. Die orthodoxen Juden (auch Ultras genannt) aber erkennt man an ihrer traditionellen Kleidung. Auch als Besucher trägt man eine Kopfbedeckung, Frauen tragen Kopftücher und Männer die Kippa (diese wird einem vor der Klagemauer kostenlos ausgehändigt). Ansonsten fragt keiner nach der Religion oder Nationalität der Besucher. Allerdings durchläuft man vor der Klagemauer einer Sicherheitskontrolle, die denen an Flughäfen ähnelt.
 
Im muslimischen Viertel beeindruckt die Via Dolorosa, wo 14 Tafeln auf die Stationen von Christus hinweisen, die er auf dem Weg zu seiner Kreuzigung durchlaufen hat und die zahlreichen exotischen Läden des tunnelartigen Souk el-Qattanin.  Hat man das Glück, auf den Tempelberg zu kommen, so gilt es die Schönheit der El-Aqsa-Moschee und den Felsendom zu bewundern. Unvergesslich aber ist der Glanz der goldenen Kuppel des Felsendoms, der zum Wahrzeichen Jerusalems geworden ist.
 


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Dort auf dem Tempelberg wollen manche Juden wieder den dritten jüdischen Temple errichten, nachdem die beiden vorherigen zerstört wurden. Unter einem kugelsicheren Glas kann man im jüdischen Viertel einen goldenen 7-armigen Leuchter, eine Menorah, bewundern. Das ist natürlich für die Moslems eine Provokation, denn das heißt ja, dass vorher die Gebäude des Tempelbergs abgerissen werden müssten.
 
Im christlichen Viertel schließlich ist die Grabeskirche der Höhepunkt. Dieses mehrstöckige verwinkelte Gebäude beherbergt neben der Grabstätte von Jesus, zahlreiche Kapellen und getrennte Räume für sechs verschiedene Konfessionen.
Außerhalb der Altstadt lohnt sich auch ein Besuch des Ölbergs mit dem Garten Gethsemane (er wurde gerade für den anstehenden Papstbesuch schön gemacht), dem Mariengrab und der Anblick der russisch-orthodoxen Kirche mit den weithin sichtbaren Zwiebeltürmen. Interessant ist auch der jüdische Friedhof. Dem jüdischen Glauben nach werden die „trockenen Knochen“ der dort beerdigten Juden eines Tages auferstehen und gemeinsam mit dem Messias ins Stadttor unterhalb des Friedhofs einziehen. Dieses Stadttor ist aber zur Zeit zugemauert. 

Der Ort Yad Vashem

Dort wird den Verbrechen des Holocaust gedacht und auch der „Gerechten“ wie Oskar Schindler, der über tausend Juden das Leben rettete. Im Wandelgang des Museums aber gibt es überall Bilder des Grauens, Erinnerungsstücke von Vergasten, Plakate mit Hassparolen gegen die deutschen Juden, Gesichter, Zahlen und Namen. Namen der Täter, Namen der Opfer, Bilder von Kindern in Lagern, Namen der Lager, Bilder der Lager, Zahlen der Opfer. Wenn man an all dem vorbeigegangen ist, öffnet sich plötzlich der Blick auf das weite Land vor dem Museum: Man ist erlöst. Als wir das Museum verließen, kamen uns gerade junge israelische Soldaten in großer Zahl entgegen, Frauen und Männer, die alle - als Teil ihrer Ausbildung  - durch dieses Museum geschleust werden. Sie sollen wissen wofür sie kämpfen. Es bleibt zu hoffen, dass eines fernen Tages auch im Heiligen Land Frieden herrscht und alle Menschen sich dort brüderlich begegnen können.

Ceasarea am Mittelmeer

Dies ist heute eine bedeutende archäologische Fundstätte. Dort stand auch einst der Palast von König Herodes dem Großen. Seine Spezialität soll es gewesen sein, unliebsame Personen in seinen Palast einzuladen und ihnen dann ein Bad in seinem Schwimmbad anzubieten. Diesen Wunsch konnte man einem König nicht abschlagen. Kaum war man im Schwimmbad, kamen Taucher und zogen das Opfer an den Beinen so lange unter Wasser bis es tot war. Solche „bedauerlichen“ Badeunfälle soll es immer wieder gegeben haben.

Haifa am Mittelmeer

Es ist die drittgrößte Stadt des Heiligen Landes und eine wichtige Industriestadt. Ein Muss ist dort der Besuch des steil aufsteigenden Bahai-Gartens. Die Schönheit des Gartens ist berauschend! Dort befindet sich auch der Schrein des Religionsstifters. Die Bahai glauben, dass alle Religionen aus dem gleichen göttlichen Urgrund schöpfen und sich nur durch kulturelle und historische Ausprägungen voneinander unterscheiden. So suchen sie nach dem Verbindenden in den heiligen Büchern aller Religionen.

Acco am Mittelmeer

Diese Stadt war die letzte Festung der Kreuzfahrer. Sie wurde 1291 von den Arabern erobert und zerstört. Allerdings sagte man uns, dass die Kreuzfahrer mit der Zerstörung rechneten und einen Weg fanden, wenigstens ihre Festung zu erhalten. Sie ließen sie vollständig mit Sand füllen. So erbauten die arabischen Eroberer ihre neue Stadt rund acht Meter über der alten Kreuzfahrerstadt.  Heute ist die alte Festung wieder ausgegraben und kann mit seinen beeindruckenden Gewölben besichtigt werden.

Der See Genezereth

Urheberrecht: Ullrich Angersbach


Dieser See liegt 212 Meter unter dem Meeresspiegel. Hier machten wir im „Original Jesus Boot“ eine obligatorische Bootsfahrt. Dort entstand 1909 der erste Kibbuz, dort wurde ein Fischerboot entdeckt, dass zur Zeit von Jesus gebaut wurde, dort soll Jesus seine Jünger angeworben haben, hier soll er laut der Bibel über das Wasser des Sees gelaufen sein und dort in der Nähe soll er die Bergpredigt gehalten haben. An der besagten Stelle befindet sich auch die moderne Kirche der Seligpreisungen, die eine besondere Atmosphäre ausstrahlt.

Masada und das Tote Meer

Vorbei an Beth She’an, der am besten erhaltenen römisch-byzantinisch Stadt Israels kommt man nach Qumran, wo ein Beduinenhirte 1947 die ersten Rollen mit alttestamentarischen Texten gefunden hat. Weiter geht es am Toten Meer entlang nach Masada, das seit 2001 zum UNESCO Weltkulturerbe gehört. Die Festung thront 440 Meter über dem Toten Meer. Dort stand ein luxuriöser Palast von Herodes dem Großen. Später fiel die Festung in römische Hände. Doch 66 n.Chr. eroberten jüdische Rebellen Masada zurück.
 
Nachdem die Römer die Rebellion in Jerusalem niedergeschlagen hatten, zogen sich rund 1000 Aufständische nach Masada zurück und konnten die Festung bis 74 n. Chr. halten.  Doch die Römer belagerten Masada und bauten eine imposante Rampe, die bis zum Hochplateau der Festung reicht. Als die Lage der eingeschlossenen Juden aussichtslos wurde, beginnen sie kollektiven Selbstmord.
 
Heute gilt Masada als Symbol des Widerstandes des jüdischen Volkes gegen Fremdherrschaft. „Masada darf nie wieder fallen“ lautet daher der Eidspruch der israelischen Armee. Nach so vielen Eindrücken folgte zum Abschluss der Reise ein Bad im Toten Meer, dessen Wasser ja so salzhaltig ist, dass man in ihm auch ohne Schwimmbewegungen nicht untergeht. 
 
Für all die großartigen Menschen, die mir auf dieser Reise durch das Heilige Land begegnet sind, wünsche ich mir vor allem eins: Frieden.

Anmerkung: Dieser Artikel stellt keine Reiseberatung dar, sondern gibt lediglich die Meinung von Ullrich Angersbach wieder. Für die hier dargestellten Fakten wird keine Haftung übernommen.